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Der Mac Portable

Irgendwann Mitte April 2005 bekam ich meinen ersten Mac Portable aus England geschickt. Angeblich sollte er noch laufen, aber die Probleme fingen nach dem Auspacken an: Wie geht das Ding überhaupt auf? Das war schnell herausgefunden: den Tragegriff leicht eindrücken, dann kann man den Deckel öffnen. Aber einschalten? Einen Einschaltknopf konnte ich nirgends entdecken. An der linken Seite befanden sich wohl ein eigenartiger Schieberegler und die obligatorische Resettaste. Half aber nichts. Das Netzteil hatte auch ein Problem: Der englische Stecker war fest eingegossen. Also musste ich erst einmal einen Adapter besorgen, was sich als gar nicht so einfach herausstellte. In der Zwischenzeit hatte ich die Möglichkeit etwas zu "googlen" und mich in Foren umzuhören. Dabei kam eine kleine Anzahl von sehr hilfreichen Links zustande, wenn auch ohne Ausnahme in englischer Sprache. Nun, ich habe die Hilfen nicht einfach nur übersetzt, sondern mit eigener Erfahrung und Fotos kombiniert.

Allgemeine Informationen über den Portable

Der Macintosh Portable war ein tragbarer Mac, ein Vorläufer der Powerbooks, so groß und leider auch so schwer wie eine elektrische Schreibmaschine. Erschienen ist er 1989. Für seine Zeit ist er erstaunlich leistungsfähig, der mit 16 MHz getaktete 68000er lässt den MacSE stehen! Mit Festplatte und ausreichend Ram ist er auch heute noch für viele Dinge ernsthaft zu gebrauchen!

Technische Daten:

  • CPU 68000 @ 16 MHz, 16 bit bus
  • System Software 6.0.4 bis 7.5.5
  • 256k ROM
  • 1 Mb eingebautes RAM, je nach Modell Erweiterungskarten bis zu 9Mb
  • 1.4Mb Floppy (Desktop Mac Ausführung, nicht wie im Powerbook!)
  • 40Mb SCSI Festplatte (Anschluss nicht nach Standard, s. weiter unten!)
  • Anschlüsse: ADB, Modem, Drucker, SCSI, externe Floppy, Audio out, Power in, Video out (digital, kein üblicher Standard!)
  • Interne Slots - expansion ROM (wozu auch immer...), Modem, RAM, PDS
  • Bildschirm: 640x400 Aktivmatrix, Hintergrundlicht in späteren Modellen
  • Tastatur - volle Größe, mit Trackball oder Ziffernblock
  • verkauft von September 1989 bis März 1991 (ohne Hintergrundbeleuchtung), März 1991 bis Oktober 1991 (mit Hintergrundbeleuchtung)

Software

Der Rechner sollte behandelt werden wie jeder 68k-Mac mit wenig Speicher, am besten System 6.0.8 - auch damit läuft schon haufenweise gute Software wie Eudora, Word 5.1 usw.

System 7.01 oder 7.1.2 ist praktischer (allerdings auch langsamer!) wenn mindestens 4 MB Ram installiert sind. Sowohl 6.08, als auch 7.01 werden inzwischen von Apple kostenlos zum Download angeboten, 7.1.2 ist etwas schwer zu beschaffen Eine Kompromisslösung wäre ein MacOS 7.1.2 mit einzelnen Erweiterungen aus 7.5.x. Der Protable unterscheidet sich eben in nichts von anderen 68-Macs dieser Zeit

Achtung!!! Auf keinen Fall den Festplattentreiber mit einem System neuer als dem aus 7.01 überschreiben!! Sollte dies dennoch geschehen, funktionert das Powermanagement nicht mehr!!

Mein Mac Portable startet nicht

Das häufigste Problem. Normalerweise wird der Portable gestartet, indem man einfach eine beliebige Taste auf der Tastatur drückt. Sollte dann nichts passieren, ist wahrscheinlich der Akku zu schwach. Der Portable hat eine Besonderheit gegenüber späteren Powerbooks: Ohne Akku läuft gar nichts! Das Netzteil ist viel zu schwach, um den Portable zu starten! Also erst einmal rund 10 Stunden lang laden lassen, und dann probieren. Sollte dann der Rechner noch immer nicht starten, beginnt die Fehlersuche.

Zuerst: Möglicherweise hilft es, den Rechner zu resetten.

Alle Macintosh Computer haben einen "Programmierer-Schalter". Beim Portable befindet er sich auf der linken Gehäuseseite.

Anders als der Name es suggeriert, ist er nicht nur für Programmierer. Folgende Schritte sind erforderlich:
1. Den Schieberegler nach hinten schieben, um den Interrupt und Reset Resetschalter freizugeben.
2. Resettaste (die Taste weiter vorne) drücken und wieder loslassen, der Portable sollte starten. 3. Wenn das nicht hilft, folgende Zusatzschritte probieren: a) Beide Schalter gleichzeitig eindrücken. b) Erst den Interrupt-Schalter loslassen, dann den Resettaster loslassen. c) Wenn nichts passiert, mehrfach wiederholen.

Zwischen jedem dieser Schritte nicht vergessen, eine Taste auf der Tastatur zu drücken. Ruhig Geduld, beim mir kam im zweiten Anlauf aus den Lautsprechern nur ein müdes Krächzen, erst beim dritten oder vierten Mal fuhr er normal hoch. Also ruhig öfter probieren und Geduld!

Wenn es trotzdem nicht hilft, weiter zur Fehlersuche in den folgenden Abschnitten.

Batterie und Akku

Der Portable hat ein Gespann aus Pram-Batterie, das ist glücklicherweise ein gewöhnlicher 9 Volt Block, und einem schweren Bleiakku. Der Akku befindet sich hinter dem Display. Dazu erst mit den beiden Drucktasten die obere Abdeckung lösen, geöffnet sieht es dann so aus:

Links befinden sich unter der Abdeckung Akku und Batterie. Am besten beides entfernen. Möglicherweise sind die Kontakte oxidiert oder verbogen. Einfach gut reinigen und ggflls. zurechtbiegen. Achtung! Die Batterieabdeckung drückt rechts neben dem 9-Volt Block einen Microschalter nach unten, ohne gedrückten Schalter kann der Computer ebenfalls nicht starten!

Hilft auch das nichts, wird wahrscheinlich der Akku kaputt sein. Jetzt braucht man starke Nerven: Das Akku-Gehäuse wird einfach aufgesägt!Vorsichtig, dass man die Zellen nicht beschädigt und keine Säure auslaufen kann! Am zweckmäßigsten an der Seite, wo sich auch die Kontakte befinden (s. Foto). Glücklicherweise hatte diese Arbeit für mich schonm jemand anders erledigt.

Jetzt sollte man die drei schweren Bleiakkus einfach herausnehmen können. Diese Akkus bekommt man einzeln für ca. 9 Euro im Elektronikfachmarkt wie z.B. Conrad. Auf gleiche Volt und Amperewerte achten! Diese werden einfach mit dem Lötkobeln und etwas Draht so verbunden, wie die alten angeschlossen waren, die alten Kontakte werden wieder angelötet, und alles wieder zusammengesetzt. Polung beachten! Diese Arbeit ist nichts für ungeübte und sollte im Zweifelsfalle lieber einem Fachmann überlassen werden! Zur Sicherheit auch hier ein Foto:

Ist dies getan, sollte der Portable wieder starten können.

Damit man lange Freude an den neuen Akkus hat, ein wichtiger Hinweis:

Die Bleiakkus müssen immer ausreichend aufgeladen sein. Am besten regelmäßig aufladen!! Wird der Rechner längere Zeit nicht benutzt, sind die Akkus und auch die 9 Volt Batterie zu entfernen! Auslaufgefahr!! Sinkt die Spannung auch nach dem Aufladen unter 5,1 Volt, sind die Akkus tot und müssen erneuert werden. Akkus sind Verbrauchsgegenstände und auch bei liebevollster Behandlung nicht ewig haltbar. Säge also bereit halten...

Und noch mehr wichtige Hinweise zur Stromversorgung

Da das originale Netzteil nur 1,5 Ampere liefert, der Computer jedoch 4,5 Ampere zum laufen braucht, sind einige so schlau gewesen, und haben Netzteile von späteren Powerbooks verwendet. Manchmal geht dies gut, da die Voltzahl stimmt, Langzeitschäden sind jedoch nicht auszuschließen, je nach Modell des Netzteils sogar sehr wahrscheinlich!!

Wer auf einen Akku ganz verzichten kann, kann darüber nachdenken, den Akku ganz gegen ein Netzteil eines älteren Powerbooks auszutauschen. Hierzu werden intern einfach die Kontakte für den Bleiakku überbrückt, das Netzteil extern angeschlossen. Auch hier gilt: Gucken, was auf dem Netzteil draufsteht! Es sollten schon Volt und Ampere übereinstimmen! Nur für geübte Bastler!

Die Festplatte:

Im Prinzip handelt es sich um eine ganz gewöhnliche SCSI-Festplatte, allerdings mit einem Unterschied: Der Anschluss hat nur 34 Pinne, das Kabel ist fest mit der Plattenelektronik verbunden, die andere Seite mündet in einen Pfostenstecker, der mit dem Motherboard verbunden wird. Um den Stecker zu erreichen, muss die Tastatur entfernt werden. Dieses geht sehr einfach, vorsichtig mit einem Spachtel die Tastatur aushebeln, sie ist einfach nur eingerastet. In meinem Portable funktionierte die Platte nicht, also gleich eine Herausforderung. Erster Schritt: Zufällig hatte ich aus einem alten Mac II eine weitere Connor 40 MB Festplatte mit fast identischer Typennummer, und einem normalen SCSI-Anschluss mit 50 Polen. Die Platine auf der Festplatte sah bis auf den Stecker identisch aus. Also habe ich einfach die Platine von der defekten Platte abgeschraubt, und auf die intakte normale Platte gesetzt. Leider ohne Erfolg, daher auch keine Fotos. Vermutlich ist die Platine selbst defekt.

Also die schwierige Lösung: Ein Adapter muss her. So etwas bietet die Firma Micromac aus den USA fix und fertig an, allerdings nicht ganz preiswert. Also dann lieber selber bauen.

Die Theorie:

Das Festplattenbandkabel des Portable hat 34 Leistungen, von denen 23 für Daten verwendet werden, der Rest für die Stromversorgung. Diese müssen mit den entsprechenden Leitungen an einem normalen 50-Ader-Bandkabel angeschlossen werden, die Stromversorgung natürlich nicht! Man schneidet also das alte 34-polige Kabel einfach möglichst nahe an der Festplatte ab (oder kauft sich ein neues Bandkabel), außerdem schneidet man ein normales SCSI-Festplattenkabel durch. Ferner benötigt man noch ein Festplattenstromkabel.

Die Belegung entspricht folgender Tabelle:

34-Ader-KabelBedeutungkommt an 50-Ader-Kabel
1-REQ48
2GND47
3-MSG42
4-C/D46
5-I/O50
6GND49
7-ACK38
8-ATN32
9-BSY36
10-RST40
11GND39
12-SEL44
13-DB(P)18
14-DB(0)2
15-DB(1)4
16GND3
17-DB(2)6
18-DB(3)8
19-DB(4)10
20-DB(5)12
21-DB(6)14
22-DB(7)16

Die letzten Kabel sind für die Stromversorgung:

Leitung Nr.Belegung
235 Volt (rot)
245 Volt (rot)
2512 Volt (gelb)
2612 Volt (gelb)
27Masse (schwarz)
28Masse (schwarz)
29Masse (schwarz)
30Masse (schwarz)
3112 Volt (gelb)
3212 Volt (gelb)
335 Volt (rot)
345 Volt (rot)

Bitte sorgfätig arbeiten! Kleinste Fehler können Festplatte und/oder Rechner ernsthaft beschädigen!

So sieht das Ganze nach dem Löten aus, allerdings noch nicht isoliert. Wichtig! Selbstredend ist eine gute Isolierung, und zwar von jedem einzelnen Kabel für sich erforderlich!

Sieht reichlich abenteuerlich aus? Funktioniert aber. Nach einer Verkleidung des Kabelsalates mit dickem Isolierband sieht das Ganze auch schon wieder wesentlich zivilisierter aus.

Da ich ja noch die Steuerelektronik von der anderen Connor-Festplatte übrig hatte, habe ich diese auf die Originalplatte gesetzt. Und siehe da: Es läuft! Nun ist die zwar die Originalplatte wieder eingebaut, allerdings mit herkömlichem 50-adrigem SCSI-Anschluss, so dass ich jederzeit eine andere SCSI-Platte einbauen kann.

Und zum Schluss noch einmal der wichtige Hinweis:

Alle Angaben hier sind ohne Gewähr. Haftung für Schäden oder Verletzungen durch unsachgemäßes herumexperimentieren an der Hardware wird nicht übernommen. Wer aufgrund der hier erteilten Hinweise und Tipps selber Reparaturarbeiten an seiner Hardware durchführt, sollte über die notwendigen handwerklichen Fähigkeiten und Fachkenntnisse verfügen, um alle Schritte zu verstehen und nachvollziehen zu können!

Weiterführende Links:

Mikes Macintosh Portable Main Page
Portable Site
Offizielle Apple-Site zum Portable

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